Hot in here!

7 Aug
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Shanghai liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Marokko, Saudi Arabien und ├ägypten – und das merkt man vor allem in den letzten Wochen an den Temperaturen, die sich ausschliesslich jenseits der 30-Grad-Marke und dabei nicht selten am oberen Ende in Richtung der 40 bewegen. Das, gepaart mit einer Luftfeuchte von meist weit ├╝ber 60% macht jede Aktivit├Ąt im freien zum schweisstreibenden Erlebnis, das man wenn irgendwie m├Âglich, am besten von vornherein vermeidet.

37 Grad - eher durchschnittlich an einem Shanghaier Sommertag

37 Grad - eher durchschnittlich an einem Shanghaier Sommertag

Kein Wunder, dass hier jede Wohnung, jedes Haus, jeder Supermarkt und selbst Aufz├╝ge, U-Bahnen und jeder noch so alte Taxi-Santana mit einer leistungsstarken Klimaanlage ausgestattet ist. Und weils draussen ja so heiss ist, muss man es drinnen nat├╝rlich ungleich k├╝hler machen. Bei unter 20 Grad f├╝hlt sich der Chinese da erst so richtig wohl und l├Ąsst dabei aber die T├╝ren im Supermarkt gerne offen stehen. Das ist zwar angenehm, wenn man als Fussg├Ąnger draussen vorbei l├Ąuft, weil sich die kalte Luft wie eine angenehme Dusche aus den Ausg├Ąngen auf einem ergiesst, ist aber zugleich eine unglaubliche Energieverschwendung, die hier einerseits keinen st├Ârt und andererseits die unz├Ąhligen K├╝hlaggregate auf hochtouren laufen l├Ąsst.┬á F├╝r gr├Âssere Geb├Ąude werden dabei nicht die bekannten, ungef├Ąhr backofengrossen K├╝hler, welche an der Aussenfassage des Geb├Ąudes angebracht werden, verwendet, sondern richtige K├╝hlt├╝rme, in denen Wasser in richtigen Wasserf├Ąllen zirkuliert und damit die W├Ąrme nach Draussen transportiert.

Meine Wohnung selbst verf├╝gt, was sehr angenehm ist, ├╝ber insgesamt 5 Klimaanlagen, die sich ├╝ber die einzelnen R├Ąume verteilen. Gesteuert werden sie nicht zentral, sondern ├╝ber zwei Fernbedienungen, die mit Tasten nicht sparsam best├╝ckt und ausschliesslich auf chinesisch beschriftet sind. 15 Tasten x 2 Fernbedienungen x 5 Klimaanlagen, das ergibt gef├╝hlte 10 Millionen Einstellungsm├Âglichkeiten, von denen ich nach 1,5 Monaten definitiv noch nicht die richtige gefunden habe. Dabei wirkt das ganze erst simpel: Gew├╝nschte Tastatur ├╝ber die zwei Pfeiltasten auf der Fernbedienung eingeben und fertig. Das w├Ąre jedoch viel zu einfach, denn die eingestellte Temperatur entspricht der gew├╝nschten Raumtemperatur und die kann durch die sozusagen nicht vorhandene Isolierung chinesischer Baute defakto nie stabil erreicht werden.

Sinologiestudium hilfreich: Chinesische Air Condition Fernbedienungen

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Wer nun also blau├Ąugig seine Anlagen auf wohlige 23 Grad einstellt und die Wohnung verl├Ąsst, der wird bei der R├╝ckkehr erst mal eine Jacke suchen und kann die Bier problemlos im Wohnzimmer k├╝hlen. Denn die Klimaanlagen geben nun alles, um gegen die 35 Grad heisse Luft, die von draussen ungehindert durch die hauchd├╝nnen Fenster kommt, anzuk├Ąmpfen und das tun sie indem sie Luft gef├╝hlt nahe am Gefrierpunkt im Zimmer verteilen. Den genau entgegengesetzten Effekt erreicht man, wenn man nun – naiv denkend – den AC-Thermostaten einfach h├Âher stellt. Denn nun sch├Ąlt die Anlage clever wie sie ist von “K├╝hlen” auf “Heizen” um, da die Innentemperatur ja unter der Aussentemperatur liegt. Das Ergebnis: 35 Grad heisse Aussentemperatur paart sich mit 27 Grad warmer Innenluft und ergibt warum auch immer gef├╝hlte 40 Grad Innentemperatur.

Wer ├╝brigens denkt das Problem lasse sich wie in Europa ├╝blich einfach durch L├╝ften morgens und nachts, wenn es k├╝hler sein m├╝sste beheben, der irrt. Hier k├╝hlt es Nachts kein Grad ab und man schwitzt auch um 3 Uhr morgens wenn man von der 18 Grad kalten Disco auf die Strasse tritt wie nach einem 1000m Lauf. Bleibt, weiter mit den Fernbedienungen zu experimentieren, sich auf den Herbst zu freuen und so lange mit k├╝hlem Bier vom Wohnzimmertisch entegegenzuwirken.

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